Dr. Alfred Ledermann

Mein Vater, Brigitta’s Schwiegervater und der Grossvater meiner Kinder ist seit Dienstag 15. März 2016 auf seiner letzten Reise – mit den Erinnerungen lebt er in uns weiter – voller Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit die wir hatten. Viele Helferinnen und Helfer haben das Nötige getan und auch gelassen und waren achtsam, dass auch die letzten Tage dieses Pioniers und Visionärs, in seinem geliebten Hause  lebenswert waren. 

Zu Beginn bedanken meine Schwestern Regula, Christine und ich, uns von ganzem Herzen bei allen Familienmitgliedern speziell unseren Ehepartnerinnen und Partnern für die grosse Unterstützung in den letzten Jahren.
Unser Dank gilt auch Vaters lieben Freunden, hilfsbereiten Nachbarn, den  Mitarbeitern, der Spitex (Spithäxli wie Vater sie liebevoll nannte) und seinem Hausarzt Dr. Frei.
Ihr alle habt uns ermöglicht unserem Vater seinen grössten Wunsch zu erfüllen, nämlich friedlich in seinem geliebten Haus in Wollishofen zu Leben bis zu seinem Tode. In den letzten Jahren willst du, dass wir dich Lädi nennen.

Kindheit
Immer wieder hören wir von dir: Ich bin ein Glückskind!
Am 11. September 1919 kommst du in Basel zur Welt. Dort hast Du zusammen mit deinem älteren Bruder Hans und deiner jüngeren Schwester Müsi eine schöne Kindheit und Jugend erlebt. Du bewunderst Hans weil er dich immer wieder beschützt und unterstützt hat und ein Lebenskünstler ist.
In Basel hast du die Grundschule und das Gymnasium besucht. Du pflegtest zu sagen: „da wo der Rhein der Schweiz davonläuft und dabei den prächtigsten Bogen macht, den man sich denken kann, da liegt meine Vaterstadt Basel die schönste Stadt der Welt, wenn es nur auf mein Urteil ankommen würde.“
Deine Mutter Anna geborene Walser hat dein soziales Empfinden, deinen Wissensdurst und deine Kreativität mit grosser Freude gefördert und geprägt. Du verehrst deine liebenswürdige, intelligente und geschäftstüchtige Mutter bis ans Ende deines Lebens.
Dein Vater Hans Hermann ist Bahn Pöstler und beruflich sehr viel unterwegs. Später trennen sich deine Eltern und deine Mutter lernt nach einiger Zeit Adolf Bühler kennen.
Deine berufstätige Mutter hat euch 3 Kinder weitgehend alleine erzogen und geprägt. Du und deine beiden Geschwister helft gemeinsam im Haushalt mit und unterstützt euch gegenseitig.
Adolf Bühler ist eine wichtige Vaterfigur für dich und deine Geschwister. Deine Mutter heiratet Adolf Bühler, erst nachdem alle ihre drei Kinder verheiratet sind. Er bringt ihr Stabilität und Geborgenheit. 

Studentenzeit
Seit deiner Geburt hast du Schwierigkeiten mit deiner Sehkraft. Als kleiner Junge weinst du oft wegen deiner Kurzsichtigkeit und weil dich die anderen Kinder „Schilebinggis“ nennen. Diese Erlebnisse sind wohl der Grund, dass du dir zu Hause eine eigene innere Spielwelt aufbaust und später, sobald du lesen kannst wieder in die Welt der Literatur eintauchst.
Dein Wunsch Medizin zu studieren wird durch diese starke Kurzsichtigkeit erschwert und darum wechselst du auf Religion und Philosophie. Schlussendlich studierst du Rechtswissenschaften, im speziellen das Jugendrecht. Du schliesst als Dr. iur. ab.
In deiner Studentenzeit erkrankst du an einer Sepsis.
In dieser Zeit wird die Studentenverbindung Schwyzerhüüsli sehr wichtig für dich. Diese Verbindung bleibt bis am Ende deines Lebens. Deine Mitstudenten, ermöglichen dir das erste Penizillin in der Schweiz, welches dein Leben rettet.
Du bist eben ein Glückskind.
Wichtig bei dieser Aktion ist dein Jungend Freund, der Pfarrer Hans Heck. Eure Freundschaft bleibt ein Leben lang.
1945 Elly und du betreuen 150 jüdische Kinder, den letzten Überlebenden der Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz.
Ohne dass du und Elly es ahnen beginnt dort auch das grosse Glück  von eurem gemeinsamen Leben - eine lebenslange Liebe.

Schweizerspende
In den Hungerjahren 1946 und 1947 gibt es von der Schweizerspende und der Stadt Basel die Anfrage an dich, die Leitung einer grossen Hilfsaktion im Ruhrgebiet, für die zerbombte Stadt Gelsenkirchen zu übernehmen.
Bevor du dich entscheidest, fragst du die Jungen Überlebenden von Buchenwald und Auschwitz: „Was würdet ihr sagen, wenn ich auch in Deutschland helfen würde?“ Es entsteht eine erregte Diskussion, ein heftiges Hin und Her. Da sagt einer dieser Jugendlichen, ein 17 jähriger Pole, dessen Eltern im Konzentrationslager Auschwitz umgekommen sind: „Wenn ein Mensch in Not ist, soll man nicht nach seinem Pass fragen!“
Elly begleitet dich nach Gelsenkirchen im Ruhrgebiet. In Basel entstehen 150 Holz-Betten in freiwilligen-Arbeit, welche ihr an Mütter für ihre Neugeborenen in Gelsenkirchen, verteilt.
Während zwei Jahren könnt ihr täglich vielen Kleinkindern eine warme Suppe abgeben.
Die Verlobung zwischen dir und Elly 1947, ist ein  eigentliches Stadtfest in Gelsenkirchen. Einige hundert Mütter kommen den ganzen Tag mit ihren kleinen Suppenkindern vorbei und schenken euch Ruinenblumen zur Verlobung.
Am Abend sitzt ihr in einem Blumenmeer. Eines dieser Blumenkinder übergibt euch zwei Blumensträusschen mit den Worten: „Das ist für euch und das andere für deine Mutter, damit die euch Beide wieder zu uns zurück schickt. Tante Elly und Onkel Alfred wir brauchen euch und wir lieben euch.“
Im November 1947 ist eure Hochzeit.

Ab 1948 bist du Zentralsekretär der Stiftung Pro Juventute in Zürich.
Bei deinem Vertragsgespräch stellst du die Bedingung, dass du als Heimweh Basler jedes Jahr am „Morgenstraich“ teilnehmen kannst - was man dir zugesteht.

Pro Juventute
Hier diverse Beispiele um nur ein paar deiner vielseitigen Tätigkeiten zu erwähnen:
Du willst als Zentralsekretär der Pro Juventute die Familien als Bezugsort für das Kind stärken und generationenübergreifende Angebote schaffen. Zusammen mit deinem Freund und Nachbar, Alfred Trachsel dem Architekten und Adjunkt im Zürcher Hochbauamt ruft ihr 1954 den ersten Robinsonspielplatz in Zürich-Wipkingen ins Leben.
Mit deinem politisch-institutionellen Rückhalt und mit dem Tatendrang von Alfred Trachsel initiiertet ihr die ersten Gemeinschaftszentren in Zürich.
Kinderzirkus Robinson
Ferienpass für schulpflichtige Kinder, die an verschiedenen Freizeitaktivitäten und -veranstaltungen während der Ferienzeit, teilnehmen können.
Twannberg, Ferienheim für Familien welche Kinder mit besonderen Bedürfnissen haben.
Spuondas Mütterferienhaus in St. Moritz
Feriendorf Bosco della Bella (gebaut mit Architekt Dahinden) für kinderreiche Familien.
Davoser Asthma Kinder-Klinik

Wollishofen
Elly und du wohnen in Zürich und dort kommen eure drei Kinder Regula, Christine und Andreas zur Welt. Mutter ist die treibende Kraft zu Hause übernimmt liebevoll und kreativ viele der Arbeiten die täglich in einem Haushalt einer 5 köpfigen Familie anstehen. Somit kannst du dich ganz deiner erfüllenden Arbeit widmen.
Bei all den Aufgaben, hat Elly dich immer wieder beratend und mit vielen innovativen Ideen unterstützt. Wir sehen dich heute noch wie du mit Elly am grossen Fenster in Wollishofen, bei Kaffee und schwarzer Schokolade, sitzt. Viele Projekte habt ihr gemeinsam besprochen und mitunter heftig diskutiert.
Bis zu deiner Pension 1978 übst du die grosse soziale Aufgabe als Zentralsekretär der Pro Juventute  aus.
Mit viel Freude hast du die Entwicklungsschritte deiner 5 Enkelkinder begleitet.

Nach der Pension
Ehrungen Gelsenkirchen
Am 27. April 1983 wird dir vom Deutschen Generalkonsul im Auftrag des Deutschen Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens, der Bundesrepublik Deutschland übergeben für deine selbstlose Nächstenliebe zur Linderung der materiellen und seelischen Not im kriegsgestörten Ruhrgebiet.
Bei der Ehrung des Schweizer Dorfs des Kinderhilfswerkes Schweizerspende wurdest du von der Stadt Gelsenkirchen im Jahre 2006 nach 60 Jahren gefeiert.
Ich habe dich zusammen mit meinem Schwiegervater Hans Raimann begleitet. Es ist für mich immer noch eindrücklich was du damals zusammen mit deiner Elly und den vielen Helferinnen und Helfern geschaffen hast.
In deinen letzten Jahren geniesst du deinen eigenen Rhythmus mit Gesprächen, Musik und gutem Essen. Du bist dankbar über die vielen Helferinnen und Helfer die dich unterstützen und liebst das Leben in vollen Zügen.
Mehr über deine Tätigkeiten sind auch in diversen Büchern nachzulesen. Momentan gibt es eine Ausstellung in der Kunsthalle in Zürich mit dem Titel „Playground Project“ wo ein Teil der Arbeiten von dir und Alfred Trachsel zu sehen sind.

Wir haben viel von dir gelernt:
Deine positive Einstellung, Deine Dankbarkeit, Dein soziales Handeln gegenüber deiner Mitmenschen. Auch dass du Elly bis zu ihrem Tod unterstützt hast, als sie dich braucht. Bescheiden bemerkst du einfach, dass du Elly nun zurückgeben kannst, was sie alles für dich gemacht hat.
Neben dem Positiven, hast du auch sture und eigensinnige Seiten. Hier ein Müsterli:Dein Blutdruck ist sehr tief und du leidest immer wieder unter Schwindel. Wenn du dann wenig oder gar nichts isst, kann es passieren, dass du ohnmächtig wirst und umfällst. Eines Morgens telefoniere ich und frage wie es dir geht? Du meinst gut und willst gerade ins Morgental. Hast du gegessen? Frage ich. Du meinst: Nein, ich esse im Morgental. Ich sage: Iss doch noch zumindest einen Apfel bevor du gehst. Nein meint er stur und geht.
Später höre ich dann wie du beim Schulhaus kollabiert bist und die Kinder vom Schulhaus im Lee dir liebevoll geholfen haben.
Beim nächsten Treffen sage ich dir: du bist ein sturer Bock. Du schluckst leer, atmest tief und sagst. Ja, du hast Recht.

Memoiren
In deinen Memoiren „Schilebinggis und Sozialclochard“ (Erinnerungen an ein reiches Leben), wird dein ganzer Lebensbogen sichtbar und es zeigt sich deine Belesenheit.
In einem Kapitel heisst es. Wie hältst du es mit dem Tod Alfred?
Ich lasse hier meinen Vater selbst antworten:
Ich suche immer wieder bei meinen Philosophen und Dichtern, die mich seit der Gymnasialzeit begleiten, nach Antworten auf diese Fragen. Mein Lieblingsphilosoph Epiktet hat kurz vor seinem Tod gesagt: „ Du rufst mich zurück. Ich gehe fort und sage Dir unendlichen Dank, dass Du mich mit Dir an diesem grossen Welttheater hast teilhaben lassen. Ich danke dir für alle Deine Gaben. Nimm sie zurück und verfahre mit ihnen nach Deinem Ermessen. Sie gehören Dir, ich erhielt sie von Dir.“

Am Schluss deiner Memoiren steht:
...Jetzt aber endgültig: Adieu Schilebinggis und Sozialclochard...

© Regula Wehrli, Christine Ledermann, Andreas Ledermann,
Fadenstrasse 22, 6300 Zug            

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